Euro Rabatte

Ein offenes Wort des Geschäftsführers

Liebe Kundinnen und Kunden

Erik LangAm 15. Januar 2015 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestkurs von 1.20 CHF zum Euro auf. Der Euro hat nach diesem Entscheid stark an Wert verloren. Produkte und Dienstleistungen aus dem Euroraum haben sich dadurch stark verbilligt.

Für Wochen war dieses Thema in der Schweizer Medienlandschaft (Fernsehen, Radio, Zeitungen) sehr präsent. Die Botschaft war eindeutig: Schweizer Importeure haben die verbilligten Preise beim Einkauf 1:1 an die Konsumenten in der Schweiz weiter zu geben. Wenn der Euro 20% billiger wird, dann müssen die Preise in der Schweiz auf Importprodukten um 20% billiger sein.

Da dieses Thema „alle“ betrifft war und ist die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung dementsprechend hoch und Formate wie der K-Tipp oder der Kassensturz befeuern die Thematik zusätzlich und „zementieren“ die Meinung in der Bevölkerung was ihr an Preissenkungen zu steht.

Sämtliche Schweizer Importeure wurden von dem Entscheid der Schweizerischen Nationalbank auf dem linken Fuss erwischt und kamen mächtig unter Druck. Allen voran die beiden Grossverteiler Migros und Coop und die gesamte Automobilindustrie. Da diese grossen Firmen aus der gleichen Situation 2011 wo sie sehr zögerlich mit Preissenkungen reagiert haben und dafür heftig „Prügel“ einstecken mussten gelernt haben, offerierten sie sofort Euro-Rabatte. Die Autoimporteure zum Teil gleich grosszügig 18% oder sogar 20% obwohl sich der Euro nur 11% verbilligt hat.

Betriebswirtschaftliche Realität eines Importeurs

Jeder Importeur ist nach betriebswirtschaftlicher Definition ein Zwischenhändler.

Ein Zwischenhändler kauft bei einem Produzenten Ware ein und verkauft diese an den Endkunden. Der Endkunde ist bereit einen höheren Preis zu bezahlen als wenn er direkt beim Produzenten einkaufen würde:

  • weil der Zwischenhändler die Produkte vorselektioniert und die Qualität sicherstellt
  • weil der Zwischenhändler Beratung und Service für die Produkte anbietet
  • weil der Zwischenhändler vor Ort ist und so die Produkte schnell bezogen werden können
  • weil der Zwischenhändler die Produkte an die Schweizer Gesetzgebung anpasst und diese erst damit in der Schweiz legal „benutzt“ werden können
  • weil der Zwischenhändler die Importformalitäten an der Grenze für die Produkte abwickelt
  • weil der Konsument unter Umständen gar nicht direkt beim Produzenten einkaufen könnte

Selbstredend braucht der Zwischenhändler dafür eine Infrastruktur in Form von Personal, Räumlichkeiten, Maschinen usw. Diese Infrastruktur muss der Zwischenhändler finanzieren und dafür hat er eine Marge. Er kauft die Produkte billiger ein als er sie dem Endkunden verkauft.

Problem mit den Euro-Rabatten

Als Illustration dazu ein kleines Beispiel:

Der Zwischenhändler kauft Produkt A ein für:Euro 10.- (CHF 12.-)
Der Endkundenpreis für Produkt A ist:CHF 60.-

Das Beispiel ist sehr realistisch, da ein Zwischenhändler gemäss Betriebswirtschaftslehre ca. 50% Marge braucht damit sein Geschäftsmodell funktionieren kann (in dem Beispiel ist die Marge CHF 48.-).

Rechnung Euro-Rabatt mit einem Eurokurs von 1:1 statt wie vorher von 1:1.20 (entspricht 16%)

Einkauf Produkt A:Euro 8.40Ersparnis Importeur: Euro 1.60
Verkauf Produkt A:CHF 50.40Rabatt für Kunden: CHF 9.60

In der Buchhaltung des Importeurs entsteht damit auf diesem Produktverkauf ein Minus von CHF 8.-. Neu ist also die Marge auf dem Produkt nicht mehr CHF 48.- sondern CHF 40.- und damit 16% tiefer. Nehmen wir an der Importeur hätte einen Jahresumsatz von 1 Mio CHF, so würden ihm Ende Jahr CHF 160‘000 Umsatz fehlen. Dies kann kein Unternehmen verkraften. Ausser es hat überproportional grosse Marge oder verfügt über finanzielle Reserven die angezapft werden können.

Um was geht es dann bei den Euro-Rabatten tatsächlich?

  • Die Forderung dass Importeure bei einer 20% Kurssenkung auch 20% an den Endkunden weiter zu geben hätten hat nichts mit der betriebswirtschaftlichen Realität zu tun.
  • Die Schweizer Presse bedient sich dieses Themas mit genau den Forderungen weil es eine riesige Aufmerksamkeit dazu in der Bevölkerung gibt und somit die Auflagen- und Zuschauerzahlen steigen. Davon leben die Medien.
  • Sämtliche grossen Importeure haben aus 2011 gelernt und sofort solche Euro-Rabatte angeboten. Dies sind reine Massnahmen zur Vermeidung von Imageschaden.
  • Wie obiges Beispiel gezeigt hat, kann sich kein Importeur über Dauer solche Rabatte leisten! Die im Moment ausgesprochenen Euro-Rabatte sind reine Marketingmassnahmen!
  • Und anstatt dieses Jahr die Aktion Frühlingsrabatt zu nennen haben es zum Beispiel die Automobilimporteure (wo es immer um diese Jahreszeit um den Gewinn von Marktanteilen geht) 2015 eben Euro-Rabatt getauft. Dem aufmerksamen Konsumenten ist auch nicht entgangen, dass die Euro-Rabatte bei den Autoimporteuren auch immer ein „Ablaufdatum“ haben (Mercedes zum Beispiel 31. März, oder Renault hat an einem Wochenende noch eine speziellen Euro-Rabatt..).
  • Alle Importeure die nicht mit Frischwaren (Lebensmittel) handeln, hatten am 15. Januar 2015 auch noch die Lager voll mit Produkten welche sie zu dem Eurokurs von >1.20 CHF eingekauft haben. Diese mit einem Euro-Rabatt zu verkaufen hat die Marge gleich nochmals massiv geschmälert.

Position der Sanafort AG

Wir haben viel Verständnis für das Anliegen unserer Kundinnen und Kunden unsere Produkte infolge der Kurssenkung billiger einkaufen zu können.

Aus diesem Grund haben wir vom 14. Februar – 24. März 2015 auf unserem gesamten Sortiment eine 11% Euro-Aktion gemacht. Leider haben auch wir uns verleiten lassen diese Aktion Euro-Rabatt statt Frühlingskation zu nennen. Für diese Verwirrung entschuldigen wir uns!

Da wir eine kleine Firma sind und unsere Margen eng kalkulieren, haben wir mit dieser Aktion schon den gesamten Einkaufsvorteil den wir für 2015 haben werden (angenommen die Kurse bleiben so tief..) an Sie weitergegeben. Denn natürlich haben wir in der Zeit des Euro-Rabattes nicht billiger eingekaufte Produkte verkauft, sondern diejenigen aus dem Lager die wir zu >1.20 CHF eingekauft haben.

Somit ist die Ausgangslage für uns nun betriebswirtschaftlich gesehen eine „einfache“. Würden wir mit dem Rabatt weiterfahren, so würden wir das Jahr finanziell nicht „überleben“ und müssten die Sanafort AG Ende Jahr in Konkurs schicken.

In der Annahme dass es auch in Ihrem Interesse ist, dass wir auch in Zukunft für Sie mit unserem Produkten, Service und Beratung da sind, wollen wir das nicht riskieren.

Die Option dass die Firma Hawlik Gesundheitsprodukte GmbH direkt in die Schweiz schickt und wir die Sanafort AG liquidieren (haben wir als Szenario auch überlegt) geht auch nicht. Alle Reishi- und Cordycepsprodukte sind nach Schweizer Lebensmittelgesetzt bewilligungspflichtig und die Sicherstellung dieser rechtlichen Anforderungen ist neben anderen Dienstleistungen eine der Hauptaufgaben des Zwischenhändlers Sanafort AG.

Aus diesem Grund haben wir entschieden per heute wieder unsere „normalen“ Endkundenpreise aufzuschalten und Ihnen liebe Kundinnen und Kunden „reinen“ Wein einzuschenken und nicht länger bei dieser Pseudo-Euro-Rabatt Geschichte mit zu machen.

Wir hoffen auf Ihr Verständnis und werden selbstverständlich wenn immer betriebswirtschaftlich möglich versuchen für Sie attraktive Aktionen zu gestalten. So wie wir das auch in der Vergangenheit getan haben.

Mit freundlichen Grüssen

unterschrift

Erik Lang
Geschäftsführer Sanafort AG

Winterthur, 25. März 2015